Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste nicht mehr erreichbar:  Was nun?

Was passiert eigentlich, wenn Hacker auf die IT-Systeme deutscher Energieversorger einen Angriff ausführen (wie bereits mehrfach und zunehmend in Wirklichkeit geschehen), der zum großflächigen Stromausfall in Baden-Württemberg führt?
Und dann noch schlechtes Wetter hinzukommt?

Dieses Szenario bildete die Grundlage der 3. Notfunkübung der Amateurfunk-Ortsverbände Rottweil und Tuttlingen.

Da die Öffentliche Kommunikationsinfrastruktur, sprich Handynetze, Festnetz, Notrufnummern und die Kommunikation der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS: so der Fachjargon für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste) nach wenigen Stunden, die noch mit Batterien überbrückt werden konnten, zusammengebrochen ist, gilt es, die Notfälle, die nun per Funk von verschiedenen Funkamateuren, die mobil und zu Fuß oder auch von Zuhause aus mit Notstromaggregaten oder im Akkubetrieb agieren, zu koordinieren und an die zuständigen Stellen weiterleiten, um so die Rettungskette ersatzweise aufrecht zu erhalten.
Dabei werden nicht nur Feuerwehr-Löschzüge und Notärzte benötigt, sondern auch z.B. 5 LKW zum Geröll und Schlamm einer blockierten Straße abfahren, oder auch eine Hebamme zur Geburtshilfe in einer kleinen Ortschaft. Also eine vielschichtige organisatorisch herausfordernde Organisationsaufgabe für das Notfunkteam, bestehend aus Tobias Pötzsch (Rufzeichen DL1TOB, Organisator und Notfunkbeauftragter von Rottweil) und Markus Hüttermann (Rufzeichen DK6ABC, Vorsitzender und Notfunkbeauftragter von Tuttlingen) noch weiteren Funkamateuren, das gleich zu Anfang eine Verbindung zum Führungsstab der BOS aufgebaut und Hand in Hand die Aufgaben koordiniert und weiterleitet.

Dabei wird jede eingehende Meldung per Computer erfasst und weiterbearbeitet und so automatisch dokumentiert. Auch das muss sein.

„Wir brauchen eine Datenverbindung zum Innenministerium Stuttgart über Kurzwelle. Ist jemand da, der über ein Kurzwellengerät mit Modem verfügt?“
Es meldet sich ein Funkamateur aus Heilbronn, der eine solche Funkverbindung über das Regierungspräsidium Tübingen zum Innenministerium herstellen kann. Problem gelöst. Der unverschlüsselte Funkverkehr lässt solchen Anfragen zu. Hierzu braucht man eine Funklizenz der Bundesnetzagentur (nach bestandener staatlicher Prüfung) und ein Funkgerät, um an dieser Art der Kommunikation teilzunehmen.

Der Standort auf dem Klippeneck ist natürlich für die funktechnische Erreichbarkeit von zentraler Bedeutung, denn so kann auch eine große Reichweite zur Koordinierung entfernter Rettungsdienste ohne Zeitverlust realisiert werden.

Nach 2 stündiger Übung mit über 170 ein- und ausgegebenen Meldungen mittels Funk ist dann offiziell die Wiederherstellung der Kommunikationswege der öffentlichen Einrichtungen gelungen und der Notfunk hat seine lebenswichtigen Aufgaben erfüllt. Auch diese 3. Notfunkübung konnte von allen 13 teilnehmenden Stationen als Erfolgt betrachtet werden. Die entfernteste Station befand sich auf dem Kandel bei Waldkirch (Freiburg).

Im Ernstfall also eine unverzichtbare Einrichtung, die von den Funkamateuren durch regelmäßige Übungen und Treffen ständig einsatzbereit gehalten wird.

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