Stromausfall durch beschädigte Überlandleitung

Funkamateure stellen Kommunikation zwischen Gemeinden her

„In den vergangenen Tagen zeigte sich das Wetter sehr angespannt. Immer wieder kam es zu lokalen, teils kräftigen Schauern und Gewittern. Der Deutsche Wetterdienst gab bereits am Donnerstag eine Vorwarnung über drohende Unwetter am heutigen Nachmittag (Samstag) für den gesamten Süd-Westen von Deutschland heraus.“
Mit diesen Worten haben Tobias Pötzsch (DL1TOB) und Markus Hüttermann (DK6ABC) zur diesjährigen NOTFUNK-Übung der Amateurfunk-Ortsverbände P10 Rottweil und P13 Tuttlingen eingeladen.
Was hat denn Funk mit Regen zu tun? „Durch Schäden an zahlreichen Überlandleitungen kommt es schlussendlich zu einem flächendeckenden Stromausfall. Die Behörden und Hilfsorganisationen kämpfen mit den Hochwasser- und Sturmschäden. Die öffentliche Kommunikation wie Festnetz, Internet und Mobilfunk ist nicht mehr verfügbar. Viele Städte und Gemeinden sind von der Außenwelt abgeschnitten. Durch den Ausfall der Telefonie können die Verwaltungsstäbe in den Rathäusern nicht erreicht werden. Zudem ist kein Hilfeersuchen der Bürger bei Notfällen mehr möglich. Einzig die Kommunikation zwischen den Hilfsorganisationen ist noch funktionsfähig aber stark ausgelastet. Der DARC wird von den Behörden um Hilfe gebeten um Kommunikationsbrücken mit den Gemeinden aufzubauen“, so heißt es weiter in der Einladung.
Gar nicht so abwegig, denn bei einem Stromausfall funktionieren nur wenige Stromquellen sicher – Stromgeneratoren oder eben Akkus.  Mit einem 200Ah Akku und der Möglichkeit neben Solar auch noch mit einem Aggregat die „Leitstation“ auf dem Klippeneck zu betreiben, wurde die NOTFUNK-Übung durch die Funkamateure Felix Künneke (DO5RC) und Tobias Pötzsch von dort aus geleitet. Die Teilnehmer dieser Übung waren aus den umliegenden Kreisen Rottweil, Villingen-Schwenningen, Tuttlingen und Singen, aber auch vom Kandel im Kaiserstuhl, wo sich die Freiburger Funkamateure hin begeben hatten. Ebenso hat sich die NOTFUNK-Gruppe des Kantons Zürich an dieser Übung beteiligt – diese sind bestens ausgestattet und waren mit einem alten österreichischen Militärfahrzeug, das den Funkern als Fahrzeug zur „Weitverkehrs-Kommunikation“ dient, auf den Sitzberg gefahren.

Insgesamt gab es 112 übermittelte Nachrichten, die die Lage vor Ort beschrieben bzw. Hilfegesuche waren. So gab es durch die langen Regengüsse beispielsweise abrutschende Berghänge, unterspülte Straßen, sowie Bäume die dadurch auf die Straße bzw. sogar auf ein Fahrzeug gefallen war, sodass der simulierte Führungsstab der BOS alle Hand voll zu tun hatte, die Einsatzkräfte zu koordinieren. Im Bereich des Kandels wurden Personen durch umherfliegende Dachteile verletzt, aber es gab auch erfreuliches „Selbst als Geburtshelfer musste ich diesmal fungieren!“ teilte der Bötzinger Funkamateur und Mitglied des Deutschen Roten Kreuz, Joachim Lemke (DG4GJL) nach der Übung mit.

Da dies aber „nur“ eine Übung war, waren zum derzeitigen Zeitpunkt keine Teilnehmer der BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben) offiziell an dieser Übung beteiligt. Auch wenn die Meldungen und Verletzungsmuster detailliert und professionell durchgegeben wurde, was daran liegt, dass im Bereich NOTFUNK viele Funkamateure aus dem Bereich Feuerwehr, DRK, THW und anderen Hilfsdiensten kommen.

In anderen Bundesländern, wie beispielsweise Bayern arbeitet der Deutsche Amateur Radio Club eng mit dem THW zusammen, auch in Baden-Baden wurde erst kürzlich eine gemeinsame Übung der Feuerwehr und dem badischen NOTFUNK-Team des DARC e.V. durchgeführt. Hierbei wollen die Funkamateure jedoch nicht, wie vielleicht viele Organisationen befürchten, die Arbeit übernehmen, sondern bei der Sprach- und Datenübertragung unterstützen oder direkt vor Ort z. B.  hilfesuchenden Bürgern helfen. Hierzu sind die Funkamateure gesetzlich verpflichtet und tun dies auch bei Katastrophen weltweit, wie z.B. bei dem Erdbeben in Ecuador im April diesen Jahres. Den Funkamateuren reicht ein Stück Draht, ein Funkgerät und eine 12V-Batterie, wie sie in jedem Auto verfügbar ist und wir können weltweite Verbindungen herstellen, aber natürlich auch vor Ort Informationen sammeln und gezielt weitergeben an andere Stationen.

Denn im Falle eines längeren Stromausfalls sind die Telefonnetze innerhalb von 3 Stunden, die Mobilfunknetzte meist unmittelbar nicht mehr erreichbar. Aber nicht nur die Kommunikation ist stark eingeschränkt – ebenso wird auch die öffentliche Trinkwasserversorgung eng, denn auch hier sitzen etliche Pumpen im Netz (teilweise Notstromversorgt), gleiches gilt auch für Erdgas. Und auch der Treibstoff kann nicht mehr ausgegeben werden. Hier ist nur ein verschwindend geringer Teil der Tankstellen überhaupt in der Lage mit Strom von einem Aggregat versorgt zu werden, noch viel weniger Tankstellen haben ein Aggregat vor Ort. Bereits diese genannten Beispiele haben gravierende Auswirkungen und sind dabei nur kleiner Einblick in eine lange Liste der Dinge welche noch betroffen sind, sollte der Strom bei uns ausfallen. Hier wird man sich vielleicht noch an den ersten Weihnachtstag 2015 in Tuttlingen erinnern, dort fiel auf Grund eines Brandes in einem Umspannwerk der Strom für einige Stunden aus. Für den Herbst ist ein NOTFUNK-Treffen in Rottweil geplant, zu dem auch Interessierte aus den Hilfsorganisationen eingeladen sind.